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FITCH: Deutsche Lebensversicherer mit negativem Ausblick
Im Oktober 2007 hat Fitch ihren Ausblick für die Branche auf Negativ von Stabil geändert. Ein negativer Ausblick bedeutet, dass unabhängig von einzelnen Rating‐ verbesserungen und ‐verschlechterungen erwartet wird, dass die Anzahl der Herabstufungen größer als die der Hochstufungen sein wird
In den vergangenen 12 Monaten war die deutsche Lebensversicherungsbranche mehr damit beschäftigt, sich auf ändernde gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen einzustellen als aktiv neue Produkte zu gestalten oder Geschäftseinheiten weiter zu restrukturieren. Mäßig steigende Zinssätze und erneut freundliche Kapitalmärkte 2007 haben einige der grundlegenden strukturellen Probleme der Branche kaschiert. Fitch Ratings warnt davor, dass angesichts der Anspannung und Volatilität an den internationalen Kapitalmärkten seit Anfang 2008 das Kapital einiger Versicherer schnell zusammenschmelzen könnte. Darüber hinaus münden die im Mai 2007 eingeführte EU‐Vermittlerrichtlinie sowie das seit Januar 2008 gültige neue Versicherungsvertragsrecht in höheren Kosten und einer gestiegenen Komplexität für das Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Zu den Veränderungen gehören u.a. höhere Abschlusskosten und Rückkaufwerte, der Übergang vom Policenmodell zum Antragsmodell sowie gestiegene Beratungskosten vor Vertragsabschluss. In dieser schwierigen Marktumgebung wird es immer klarer, dass Versicherer, die es versäumt haben, frühzeitig ihre Produkt‐, Vertriebs‐, Investitions‐ und Risikomanagementstrategien auf die neuen Herausforderungen abzustimmen, den Anschluss an erfolgreichere Konkurrenten verloren haben. Fitch ist daher der Ansicht, dass viele deutsche Lebensversicherer zurzeit verzweifelt versuchen, „verlorene Zeit aufzuholen“. Als Ergebnis erwartet die Agentur eine sich fortsetzende Divergenz bei der Ent‐ wicklung der Marktteilnehmer sowie weitere Konsolidierungen in Form von Markt‐ anteilsverschiebungen und selektiven M&A‐Aktivitäten (mergers and acquisitions). Die Erträge der Branche sind 2006 leicht gesunken. Die deutsche Lebensver‐ sicherung ist weiterhin einer der am wenigsten rentablen in Europa. Die Kapital‐ ausstattung hat sich zum Jahresende 2006 weiter verbessert, hauptsächlich wegen einbehaltener Erträge und freundlicher Kapitalmärkte. Bis Ende 2007 steigende Zinsen haben aber die Bewertungsreserven der Versicherer deutlich reduziert. Obgleich Fitch den positiven ökonomischen Effekt steigender Zinsen für Versicherer anerkennt, weist die Agentur dennoch auch auf die aus den verringerten Bewertungsreserven resultierende gewachsene Exposition der Branche gegenüber externen Schocks hin. Diese Sorge wird durch die kürzlich eingetretenen deutlichen Rückgänge der internationalen Börsen und den steigenden Wachstumshunger einiger Versicherungen unterstrichen, die zuvor Kosteneinsparungen erzielt hatten. In diesem Bericht analysiert Fitch die Entwicklung der Branche mit ihrem quantitativen Finanzstärkemodell für Lebensversicherer (Q‐IFS Ratingmodell), welches zum einen auf öffentlichen Daten und zum anderen auf der breiten Marktabdeckung an traditionellen Finanzstärkeratings in der deutschen Lebensversicherungsbranche (siehe Anhang 1) basiert. Die Analyse wird ferner von den Ergebnissen einer Auswahl von 26 Versicherern aus dem im Dezember 2007 eingeführten stochastischen Kapitalmodell „Prism“ gestützt. Schließlich erörtert Fitch neue Entwicklungen, welche nach ihrer Ansicht für die Finanzstärke der deutschen Lebensversicherer in den nächsten 12 Monaten von Bedeutung sind.


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